Blind-Date Edition #3 „I like Birds“

Was kommt dabei heraus, wenn sich 9 GartenbloggerInnen zu einem festlegten Song Gedanken machen und die entstandenen Beiträge zeitgleich ins Internet stellen? Unter dem Motto „I like birds“ hat jede/r von uns einen Beitrag zu dem gleichnamigen Song von den Eels geschrieben.

Wir wissen nicht was die Anderen geschrieben haben, es gab keine inhaltliche Abstimmung und wir sind sehr gespannt auf das Ergebnis!

Mit dabei sind:

Hauptstadtgarten, BeetkulturDer kleine Horrorgarten
, Karo-Tina aldente,  CardamonchaiMilli BloomRienmakäferFrau Meise

Viel Spaß beim Lesen!


Und schon geht es direkt los mit meinem Beitrag. Auf die anderen Beiträge gelangt Ihr durch einen Klick auf den jeweiligen Blognamen (oben).

Die Eels waren lange Zeit eine meiner Lieblingsbands. Der Song „my beloved monster“ hat sich nicht zuletzt durch den exzessiven Konsum des Films Shrek nachhaltig in meinen Gehirnwindungen festgeschrieben. Neben vielen anderen Liedern mit durchaus romatisch-melancholischen Inhalt, war da auch der Song „I like Birds“, der mir sehr gefiehl. Insbesondere das Video hatte es mir angetan. Vladimir Posokhin animierte es im Stil von Osvaldo Cavandoli der mit La Linea einen Animationsklassiker meiner Kindheit geschaffen hat. Dunkler Hintergrund, weiße Linie, lautes Gebrabbel: Minimalismus pur!

Wenn ich mir den Song ins Gedächtnis rufe, habe ich vor allem zwei Assoziationen. Zum einen ist da das Lied „I like Beards“ der Band The Beards. Na ja, die klangliche Ähnlichkeit der Worte Birds und Beards trägt wohl einiges zu meiner Assoziation bei. Egal, trotzdem geiler Song.

Die zweite Assoziation hängt mit meinem Studium zusammen. Denn in einer Vorlesung wurde ein Professor nicht müde, ausführlich von einem speziellen Exemplar der Vogelwelt zu berichten. Dieser kann nestbautechnisch wahre Wunderwerke vollbringen, denn er baut richtige Lauben und zaubert einen Balzplatz in die Landschaft, der sich gewaschen hat. Der Name des Vogels? Laubenvogel.

Der Laubenvogel kommt rein äußerlich eher unscheinbar daher. Davon darf man sich aber nicht täuschen lassen, denn um so unscheinbarer sein Aussehen, um so prachtvoller seine Bauwerke.

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Laube_buntDer Balzplatz vor der Laube wird mit allerlei bunten Gegenständen verziert. Die Laube selbst wird sogar teilweise bemalt. Dafür werden Pflanzen und Beeren zerkaut und eine Feder als Werkzeug benutzt.

Vom Anblick her sicherlich ein ästhetischer Hochgenuss. Und warum das Ganze? Alles um die Frauen zu beeindrucken, denn die Weibchen paaren sich ausschließlich mit den besten Baumeistern und denjenigen, die zugleich einen grandiosen Balztanz aufführen können.

The mean little people are such a bore

Mit dem Stichwort Ästhetik ist im Schrebergartenverein gemeinhin kein Blumentopf zu gewinnen. Was uns zu einem anderen Geschöpf hinführt, das mit dem Wort Laube in Verbindung gebracht wird, den gemeinen Laubenpieper. Er ist in der Regel ein Stadtmensch, der in einer Kleingartenkolonie eine Parzelle gepachtet hat. Sein Image ist im Gegensatz zu dem des Laubenvogels allerdings eher negativ besetzt. Klischeemäßig mag er Gartenzwerge, kurzen Rasen und akkurat geschnittene Hecken. Er ist ein Wesen, das sich streng an Vorschriften hält und eine Abneigung gegen alles Fremde hegt. Spießer  ist ein Wort, das meistens im gleichen Atemzug auftaucht.

Jedoch ist, genau betrachtet, auch der Laubenvogel durchaus ordnungsliebend und keineswegs der chaotische Künstlertyp. Die bunten Objekte folgen einer strengen Logik und sind nach Farben getrennt angeordnet. Der Graulaubenvogel beispielsweise hat sogar die Perspektive für sich entdeckt. Kleinere Steine stellt er gleich am Eingang auf, größere werden weiter entfernt positioniert. Durch die Entfernung wirken alle Steine gleich groß – das mögen die Weibchen. Zudem wirkt es selbst neben kleineren größer (size does matter). Wird etwas verändert, schimpft er laut und richtet alles wieder her.

But it’s alright if you act like a turd

Kommen wir zurück zum gemeinen Laubepieper. Was ist er? Künstlerischer Chaot oder Ordnungsfetischist?

Man  kann das Wort Laubenpieper auch anders interpretieren. Nämlich in dem Sinne, dass Laubenpieper gesetzlichen Vorschriften „eins piepen“. Dies macht ihn zu einem Wesen, welches auf kreative Art und Weise nach Möglichkeiten sucht, diese zu umgehen. In fast jedem Garten lassen sich diese getarnten Regelverstöße festellen. So ist eine Vogelschutzhecke beispielsweise eigentlich ein Sichtschutz, ein Unterstand wird so gebaut das er nach wenigen Handgriffen Bestandteil der Laube ist und aus einem Kinderspielhaus wird ein Geräteschuppen.

Sichtschutz_1

Chaos

Der Laubenpieper ist also alles andere als langweilig und spießig. Im Gegenteil, er ist kreativ und ein echter Gartenbaukünstler. Sein Handeln ist kein Blendwerk, sondern stets eine Mischung aus Ästhetik und Nutzen. Man tut dieser Spezies also Unrecht … man muss lediglich genauer hinsehen …

Wenn ich all dies nun auf mein kleines Gartenbaukunstland runterbreche und die Kunstwerke des Laubevogels mit meiner Hütte und Terrasse vergleiche, bin ich mehr als zufrieden. Ich kann von mir behaupten ein richtiger Laubenpieper zu sein!

 

 

 

24 Comments

    1. Kunst war das Stichwort für diesen Artikel 😉
      Dein Artikel bei unserem diesmaligen Blind-Date hat mich sehr begeistert! Es ist immer so spannend die anderen Beiträge zu lesen und wirklich erstaunlich was dabei herauskommt …

  1. Hallo.
    Ich komme direkt von Karo-Tina Aldente, und schau mir an was ihr zu diesem Thema alle geschrieben habt.
    Ich bin auch Laubenpieperin und kann deine Einstellung nur unterschreiben. Wir sind doch nicht spießig, nee ganz und gar nicht.
    Nati

    1. Hi Nati,
      ich finde das auch nicht. Ganz im Gegenteil. Ja, es gibt sie noch die klischeehaften GärtnerInnen die mit einer Nagelschere bewaffnet über den Rasen kriechen. Aber selbst die haben irgendwo eine verstekcte chaotische Ecke. Die Umwelt braucht das nämlich!
      Beste Grüße
      Björn

      1. Ich nenne unsere Ecke ‚Naturecke‘. Dort darf das Unkraut stehen, ganz hinten auf unserer Pazelle. Für all die Insekten, die wir so haben. Ich bedien mich dann gerne an der Brennnessel für die Jauche. Sieht nicht so toll aus und man muss aufpassen das es nicht überhand nimmt, aber wo darf die Natur noch Natur sein in der Stadt?

      2. Mittlerweile ist es ja fast so das die Natur in den Schrebergärten der Städte gerettet wird (ja, ist sehr übertrieben). Am Freitag sind wir Zug gefahren. Zu sehen gab es ein Maisfeld, noch ein Maisfeld und dazu noch ganz viele Maisfelder. Bienen, Vögel und Insekten finden auch eher in der Stadt ein zu Hause weil es nicht ausschließlich Wüsten sind.
        Ich versuche diese Möglichkeiten auch immer zu schaffen. Früher war das automatisch gegeben. Das ist heute leider anders …

      3. Übertrieben, aber du hast recht. Früher sah man am Feldrand viele wilde Blumen, und jetzt? Jetzt pflanzen wir Schrebergärtner die Wildblumen in eine Ecke um die Insekten anzulocken.

  2. Huhu lieber Björn, richtig lustig und interessant dein Artikel! Kreativität zahlt sich aus bei den Frauen wa? Wie schön du auch das Spießbürgertum beschreibst, herrlich! Alles Liebe 😀

    1. Hi Camilla,
      Danke für die lobenden Worte!!! Ich werde nachher nochmal in Ruhe alle Artikel lesen. das ist immer so aufregend 🙂
      Liebe Grüße
      Björn

    1. Danke für den Hinweis!!! Ich hatte den Blog ursprünglich mal anders benannt und bei dem Avatar die Verlinkung noch nicht geändert. Das habe ich jetzt nachgeholt. Das sollte jetzt funktionieren 🙂

      1. Bitte, Bitte. Manchmal geht etwas im Alltag unter. Bin auch immer froh wenn mir jemand einen Hinweis gibt, wenn auf meinem Blog etwas nicht stimmt oder funktioniert. Ich finde es schön wenn sich Blogger unter einander helfen.
        Hab einen schönen Sonntag.
        LG, Nati

      2. Puh, ich hab jetzt noch an einer anderen Stelle die Seite verlinkt. Versteh das nicht so recht aber wahrscheinlich hab die Einstellungen noch nicht so ganz verstanden 😦

  3. Super – hat wirklich Spaß gemacht das zu lesen! Im meinem Schrebergartenland finde ich es immer wieder spannend, die sehr verschiedenen Auffassungen von Ästhetik meiner benachbarten Laubenvögel zu bestaunen…
    Liebe Grüße, Caro

  4. Toller Beitrag lieber Björn! Ich erkenne viele der beschriebenen parallelen wieder 🙂
    Viele Grüße aus der Nachbarschaft!
    Marie

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