Gärten im Städtebau

Listen all of y’all it’s a sabotage! (Beastie Boys)

Von mir existieren insgesamt recht wenige Kinderfotos. Eines davon ist mir allerdings im Gedächtnis geblieben. Es zeigt mich knieend auf dem Esszimmertisch in Jubelpose … denn ich hatte gerade im Tipp-Kick gegen MEINE OMA  gewonnen. Hätte ich das Spiel jedoch verloren wäre die Bildanordnung die folgende gewesen: ich schmollend am Tisch, Kopf hochrot, auf dem Tisch kein Spiel mehr, da ich es wutentbrannt durch das Zimmer geschleudert hatte, mir gegenüber meine Oma mit ratlosen Gesichtsausdruck. Das kann doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, ich wurde sabotiert, Oma muss geschummelt haben!

Ja, verlieren konnte ich als Kind gar nicht. Das ist heute zum Glück anders … na ja, zumindest insofern, dass ich Wettbewerbe eher meide. Also jetzt mal abgesehen von Bloggerawards (klick!) und Wettbewerben, denen ich mich schwer entziehen kann. Ein solcher findet nun statt!

Der Wettbewerb

Es geht um den wichtigsten Ideenwettbewerb zur urbanen Gartenkultur, den Bundeswettbewerb Gärten im Städtebau des Bundesumwelt- und Bauministeriums.

„Mit dem Wettbewerb werden besondere städtebauliche, ökologische, gartenkulturelle und soziale Leistungen gewürdigt, mit denen Kleingärtner­vereine über die Grenzen der Gartenanlage hinaus positive Impulse in das Wohnumfeld senden. (…) Zugleich wird mit dem Wettbewerb das bürgerschaftliche Engagement der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner ausgezeichnet und die Öffentlichkeit auf die Leistungen und Wirkungen des Kleingartenwesens für die Gesellschaft aufmerksam gemacht.“ (Quelle, klick!)

Für das Bundesland Hamburg wurde unser Gartenbauverein  nominiert. Wir sind also das Gesicht Hamburgs bei diesem Wettbewerb.

Es ist angerichtet! „Crunchtime in the Schrebergarten“. Challenge accepted!!!

Die Summe der einzelnen Teile

Aber ganz so einfach ist das natürlich nicht, denn wir sind A in Deutschland und B handelt es sich um einen Verein. Folgerichtig müssen zunächst die MitgliederInnen auf der Jahreshauptversammlung zustimmen. So wurde der Wettbewerb zu einem Tagesordnungspunkt auf der Versammlung: Vorstellung, Diskussion, Zustimmung … läuft!

Und weiter? Nun, unser Gartenbauverein ist in der Tat etwas besonderes. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass wir für den Wettbewerb eigentlich nicht viel tun müssen, denn bereits seit einigen Jahren haben wir

  • sehr engagierte ehreamtliche Gartenfreunde
  • eine Kooperation mit einer Schule
  • eine Kooperation mit einem Kindergarten
  • pachtbare Hochbeetflächen
  • einen Mitgliederbeschluss darüber, organisch-mineralischen Dünger reinem Mineraldünger vorzuziehen oder soweit möglich gänzlich auf Mineraldünger zu verzichten,
  • einen Mitgliederbeschluss darüber, chemische Pflanzenschutzmittel grundsätzlich nur in Abstimmung mit der Fachberatung anzuwenden.

Alles Dinge, um die es in dem Wettbewerb geht.

Dem Vorstand unseres Vereins war immer wichtig, im Stadtteil nicht nur durch schöne Ziergärten und Grillgeruch wahrnehmbar zu sein. Dementsprechend betreiben wir als Verein aktiv eine Öffnung nach außen und versuchen, uns zu modernisieren. Beispielsweise bieten wir mit den Kooperationen und Hochbeetflächen quasi jeder Generation die Möglichkeit, gärtnerisch tätig zu werden.

Das Gute an so einem Verein ist ja gerade, dass man sich engagieren und innerhalb relativ kurzer Zeit richtig was auf die Beine stellen kann … wenn man nur will. Diesen Weg gehen wir nicht primär für den Wettbewerb, sondern bereits seit Jahren konsequent, weil wir davon überzeugt sind, dass es der richtige Weg ist … auch wenn er ab und an steinig ist.

Im Verlauf des Wettbewerbs finden zwei Begehungen durch eine Komission statt, eine im Frühjahr und eine im Sommer. Dabei werden einige Gärten und der Verein als Ganzes näher unter die Lupe genommen.

Ausschlaggebend ist, dass alle PächterInnen und alle ehrenamtlich Engagierten den Weg gemeinsam gehen. Es geht darum, Hand in Hand zu arbeiten, denn erst dann ist

„all das in guten momenten
für eine Weile mehr als die Summe der einzelnen Teile“ (Kante)

Es ist nun an uns, unseren Weg in diesem Jahr noch konsequenter weiterzugehen und dann einfach das zu zeigen was da ist: eine lebendige und engagierte Oase mitten in der Großstadt!

Ich bin schon sehr gespannt wie es weiter geht und werde natürlich über den weiteren Verlauf berichten …

20 Kommentare

  1. Hallo Björn.
    Da bin ich mal gespannt was du berichtest wenn sie eure Anlage besuchen.
    Ich finde es klasse das wir Kleingärtner mal etwas hervor gehoben werden, denn unser Wirken ist für die Natur nicht unwichtig. Nehmen die ganzen Anlagen in unserem Land doch eine schon große Fläche ein.
    Ohne uns wäre es noch trister.

    1. Definitiv! Das finde ich auch sehr wichtig. Zumal die Kleingärten in Großstädten wie Hamburg auch nach und nach verdrängt werden. In unserer näheren Umgebung werden zwei Vereine geschlossen werden … Grund: Bauland! …. dabei sind diese Oasen enorm wichtig. Bienen werden in der Stadt gerettet und nicht auf dem Land!

      1. Oh, das ist ja ärgerlich.
        Bei uns wollten sie mal am Zoo den Verein schliessen, damit der Zoo sich vergrößern kann. Zum Glück ist dies gescheitert.
        Bei euch in HH ist Bauland sehr rar. Aber dadurch geht wieder eine grüne Oase in der Stadt verloren.

    1. Der Mitgliederbeschluss war auch nicht ganz so einfach … wurde mehrfach modifiziert bis er dann in der Form verabschiedet wurde. Das Wichtige ist aber: er wurde verabschiedet 🙂

  2. Hallo Björn,
    coole Sache, das Ihr daran teilnimmt. Ich wünsche euch viel Glück und werde die weitere Entwicklung verfolgen. Super finde ich, dass ihr versucht auf reinen Mineraldünger zu verzichten und chemische Pflanzenschutzmittel zu vermeiden. Wir machen dazu momentan eine Blogparade. Interessantes Thema. Auf jedenfall drücke ich die Daumen 🙂

    Lieben Gruß Basti

    1. Hallo Basti,
      vielen lieben für Deinen Kommentar. Die beiden Mitgliederbeschlüsse gingen nach kleineren Diskussionen problemlos durch. Jetzt bin ich gespannt auf die praktische Umsetzung …
      Eure Blogparade finde ich großartig!!! Kann ich da mit diesem Artikel mitmachen? Über das eigentliche Thema steht da ja nicht so wirklich viel drin bei mir … allerdings könnte die Info, dass Gartenvereine solche Beschlüsse fassen ein Vorbild für andere sein.
      Beste Grüße
      Björn

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